Martha Cooper


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Die einen empfinden es als Kunst, die anderen als Vandalismus. Ich gehöre eindeutig zu Ersteren. Zumindest, wenn es sich nicht um bloßes Gekritzel handelt, sondern hinter dem Ganzen eine Botschaft, ein Stil oder zumindest eine gewisse Sorgfalt erkennbar ist.
Die Rede ist von Streetart.

Martha Cooper ist in der Streetart- und Graffiti-Szene fast eine Berühmtheit – und das, obwohl sie selbst nicht zu den Urban Artists gehört. Die 77jährige fotografiert schon seit ihrer Kindheit. Sie wusste, ihr zufolge, immer schon, dass das Fotografieren ihre Berufung ist. In den 70er Jahren hatte sie erreicht, was viele sich nur erträumen können: Sie arbeitete als Fotografin für eine namhafte Zeitung. Eines Morgens, auf dem Weg zur Arbeit, fielen ihr die mit Graffiti verzierten Züge New Yorks ins Auge und sie begann, diese zu fotografieren. Ihre Faszination mit dem New York hinter den Kulissen, dem Untergrund und dem sichtbaren Verfall der Stadt nahm dabei jeden Tag zu und sie kündigte schließlich ihren Job bei der New York Post.
New York durchlebte in den 1970ern eine ökonomische und vor allem auch soziale Krise. Große Bevölkerungsschichten wurden mit wenig Perspektiven quasi sich selbst überlassen. Martha meint, dass sie besonders das „Etwas aus Nichts machen“ der Graffiti- und Hip Hop-Kultur zu jener Zeit faszinierte.

Sie verbrachte über ein Jahr lang ihre Zeit täglich in der Underground-Szene von New York und machte Fotos. Am Ende dieses Jahres suchte sie jedoch vorerst vergeblich nach Medien, die diese Arbeiten auch zeigen wollten. Niemand wollte dem Vandalismus, als der die Graffiti vielerorts wahrgenommen wurden, eine Bühne geben. Doch als sich dann doch die Chance ergab und die Fotos veröffentlicht wurden, lösten diese in der ganzen Welt einen Trend aus. Hip Hop und Graffiti wurden Mode und entwickelten sich von einer im Untergrund stattfindenden zu einer global anerkannten Kunstform, der heute auch renommierte Kunsthäuser Ausstellungen widmen.

Eine Kollektion von Marthas Bildern könnt ihr euch derzeit in der Steven Kasher Gallery in New York ansehen.

  1. April– 3. Juni 2017
    Steven Kasher Gallery 515 West 26th Street, NYC

Etwas, das sie in ihrem Ted X Talk Video gesagt hat, gefällt mir besonders. Sie sagte, dass sie die Street Artists besonders bewundere, weil sie sich nicht um irgendwelche Anerkennung von Kunst-Galerien oder Kunstkritikern scherten. Sie haben einfach ihr Ding durchgezogen.

Sie hat so recht damit. Auch Fotos sollten nicht dazu da sein, dem ästhetischen Empfinden besonders vieler Menschen zu entsprechen. Fotografie ist Kunst und sollte vor allem eines tun: den Künstlern dahinter Ausdruck verleihen. Martha Coopers Geschichte hat mir vor allem eines klar gemacht: Es ist nicht wichtig, wie profitabel und angesehen das ist, was du tust, sondern, dass du dir deine eigene Mission suchst und deiner eigenen Passion nachgehst. Wenn du damit erfolgreich wirst, wunderbar! Wenn nicht, dann hast du dich als Künstler zumindest am Weg nicht verloren und bist dir selbst treu geblieben.

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Fotos: Martha Cooper / Quelle: Brooklyn Street Art

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3 Gedanken zu „Martha Cooper

  1. Pingback: Meeting of Styles Wiesbaden 2017 „Age of Abundance“ – Veranstaltungshinweis | dosenkunst.de

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