Dragana Jurisic – „Yu: The lost country“


Ich kann mich noch erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Obwohl ich nie wirklich selbst davon betroffen war als jemand, der in Österreich aufgewachsen ist und das Privileg hatte ein, zweimal im Jahr ans Meer fahren zu können. Ans Meer in Jugoslawien. Auch für mich fühlt es sich komisch an diesen Namen zu schreiben, obwohl ich Jugoslawien nicht wirklich kennengelernt habe und der Krieg dort zu einer Zeit passierte, an die ich mich nur schlecht erinnern kann. Jung wie ich war, war mein Interesse an Nachrichten und Kriegen nicht wirklich existent. Trotzdem weiß ich noch genau, wie ich damals mit meinen Eltern und meiner Schwester in Rovinj beim Frühstück saß und meine Eltern sich leicht panisch darüber unterhielten, dass wir doch besser den Urlaub frühzeitig abbrechen und zurück nach Österreich fahren sollten.

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Ich zähle viele Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien zu meinen engen Freunden und einige davon haben die Zeit des Zerfalls und des Krieges dort auch bewusst erlebt, haben geliebte Menschen verloren und mussten alles hinter sich lassen. Trotzdem kam es mir lange Zeit so vor, als ob all das damals nicht in einer Gegend, die meiner Heimat so nah ist, passiert wäre, sondern irgendwo auf der anderen Seite der Welt. Auch heute weiß ich noch viel zu wenig über die Geschehnisse und hatte auch oft das Gefühl, dass in den Jahren danach über vieles irgendwie auch einfach geschwiegen wurde.

Dragana Jurisic startete ihr Projekt „Yu: The lost country“ ursprünglich mit der Idee, das von ihr als Heimat in Erinnerung gebliebene Jugoslawien wieder zu finden und die Reste davon auf Fotos festzuhalten. Das „Jugoslawien“ in den Ländern finden, in welche es jetzt aufgeteilt ist. Doch sie meint in einem Interview mit dem Lensculture Magazine, dass sie bald realisierte, dass diese Foto-Reise nichts Nostalgisches an sich hatte. Sie merkte ziemlich schnell, dass das, was sie dort fand, nichts mehr mit der Heimat in ihrer Erinnerung zu tun hatte. Sie nannte ihre Reise gar „a journey of rejection“ (Eine Reise der Ablehnung).

Ihre Bilder sind unglaublich bewegend und schön, auch wenn sie oft nur Alltagssituationen zeigen. Man merkt sofort, dass viel persönliche Geschichte und Gefühle der Fotografin eingeflossen sind. Das Projekt zeigt aber auch ein Land, dass viel Vergangenheit noch nicht hinter sich gelassen hat.

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Ihre Fotos sind dieses Jahr auch Teil des FORMAT17, einem internationalen Fotografie-Festival in Derby, Großbritannien. Das Motto in diesem Jahr lautet HABITAT (Heimat) und es findet heuer zwischen dem 24. März und dem 23. April statt. Falls ihr also zufällig in Großbritannien seid zu dieser Zeit, lasst euch das Festival nicht entgehen.

Seht euch auch auf jeden Fall ihre Website an! Neben „Yu: the lost country“ findet ihr dort noch  viele weitere spannende Fotoprojekte.

Photos: Dragana Jurisic

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