Ein Klassiker auf Herz und Nieren geprüft


Vor wenigen Tagen hat SIGMA auf seiner Homepage und auf diversen hauseigenen Social Media-Seiten vier neue Objektive vorgestellt. Bevor wir uns also gespannt den gläsernen Neuzugängen widmen, habe ich letztens aus Interesse den inzwischen nicht mehr wegzudenkenden Klassiker, das SIGMA Art 35mm f/1.4 DG HSM, auf Autofokus und Vignettierung und praktisch bei der Studiofotografie durchgecheckt.

Der Autofokus:

Der Autofokus (AF) wird im Kameragehäuse gemessen, der Motor sitzt allerdings im Objektiv. Der Autofokus lässt sich nachjustieren. Die Kamera sollte jedes Objektiv automatisch erkennen und die Korrektur anwenden. Allerdings weist jedes Objektiv stärkere oder schwächere Abweichungen beim Autofokus auf. Es kann sich dabei um einen Front- oder Backfokus handeln. Das bedeutet, dass der Autofokus zu weit vorne beziehungsweise zu weit hinten funktioniert. Dies ist bei den meisten Kameras manuell korrigierbar und kann somit verbessert werden.

Ob der Autofokus korrekt funktioniert, kann man anhand eines AF-Tests feststellen. Dazu muss etwas Kontrastreiches fotografiert und die Kamera dabei möglichst parallel zur Fläche, die man fotografieren will, ausgerichtet sein. Die Firma LensAlign produziert für diesen Zweck spezielles Equipment, um solche Tests durchführen zu können.

Beim Test ist es zu empfehlen, offenblendig zu fotografieren, weil dadurch die Schärfeebene geringer wird. Der AF-Test wurde bei natürlichem, diffusem Licht durchgeführt. Die Stative wurden in einem bestimmten von LensAlign festgelegten Abstand aufgebaut. In diesem Fall wurde das Foto mit einer APSC-Kamera und einem Objektiv mit einer Fixbrennweite von 35mm aufgenommen. Der Abstand hat 1,5 Meter betragen. Auf den beiden Stativen werden zum einen die Platte mit einer kippbaren Skala angebracht, zum anderen die Kamera. Dabei ist es wichtig, dass der Sensor parallel zur Platte ausgerichtet ist. Für die dementsprechende Einstellung ist ein Loch in der Mitte der Platte vorgesehen, hinter der ein roter Punkt zu sehen ist, wenn der Winkel stimmt. Das Loch wird nach der fertig durchgeführten exakten Ausrichtung verschlossen.

Als nächstes werden drei Bilder mit der Offenblende gemacht. In diesem Fall mit f/1.4. Dabei muss man beachten, einen möglichst geringen ISO Wert und eine kurze Verschlusszeit einzustellen, die eine Aufnahme der Platte unter besten Bedingungen gewährleisten sollen.

Bei der Durchführung des Tests habe ich herausgefunden, dass meine Kamera, die Canon EOS 600D, in Kombination mit dem SIGMA Art 35mm einen leichten Frontfokus aufweist. Das kann natürlich je nach Kamera-Objektiv-Kombination verschieden sein. Allerdings sollte das auf jeden Fall im Nachhinein nachjustiert werden, damit man den Autofokus perfekt nutzen kann.

Das ist allerdings nicht bei jeder Kamera möglich, weshalb man unbedingt die Bedienungsanleitung zu Rate ziehen sollte, die mehr Aufschluss darüber gibt. Es ist aber fast immer so, dass Objektive ohne auf die Kamera angepasste Korrekturen einen Front- oder Backfokus aufweisen. Auffallend wird dies zum Beispiel dann, wenn man mit Offenblende fotografiert und die Schärfeebene nicht an dem Punkt liegt, auf den man fokussiert hat.

3.jpg

Vignettierungstest

Wenn man in der Fotografie von Vignettierung spricht, bedeutet das das Vorhandensein eines Luminanzabfalls. Dieser wird durch eine Abschattung des Fotos zum Bildrand hin sichtbar. Eine Vignettierung tritt vor allem beim Fotografieren mit offener Blende auf und zählt zu den Abbildungsfehlern. Allerdings lässt sich eine Vignettierung digital korrigieren beziehungsweise durch Abblenden während dem Fotografieren verhindern.

Bei vielen modernen Kameras ist es zudem möglich, die Vignettierung automatisch aufzuhellen. Im Rahmen dieses Versuchs wurde diese Einstellung jedoch deaktiviert.

Die Belichtung der Kamera wird so eingestellt, dass sie normal belichtet. Im nächsten Schritt wird ein Foto von der Projektionsfläche des gerade in Betrieb genommenen Overheadprojektors gemacht. Die Aufnahme wird zuerst mit der Offenblende von f/1.4 getätigt, danach wiederholt man diesen Vorgang mit der kritischen Blende, in diesem Fall mit f/4.

Die Fotos werden in einem Fotobearbeitungsprogramm zu Dateien im tiff-Format exportiert. Mit der Software von MAtLAB Handle Graphic werden die Fotos dann einzeln eingespielt. Der Luminanzabfall wird in zwei verschiedenen Diagrammen graphisch wiedergegeben.

Arbeitsinstrumente waren in diesem Fall zusätzlich zum SIGMA Art 35mm f/1.4 DG HSM die Canon EOS 600D.

Bei diesem Versuch ist herausgekommen, dass bei dem Objektiv ein sehr kleiner Luminanzabfall vorhanden ist. Die Auswertung stellt die von SIGMA beworbene Qualität des Objektivs in diesem Fall klar unter Beweis. Der Luminanzabfall kann im Nachhinein sehr leicht korrigiert werden.

Versuchsauswertungen:

Offenblende f/1.4

Grafik 1.png

Kritische Blende f/4.0

2

Fotografie im Studio

Ich verwende das Art-Objektiv nicht nur beim Fotografieren von Portraits ausgesprochen gern sondern auch bei der Reportage-Fotografie z.B. auf der Straße, auch wenn ich mich in diesem Fall sehr oft mit der einschränkenden Brennweite von 35mm arrangieren muss. Aber selbst im Studio ist es mein ständiger Begleiter. Je nach Motiv greift man bei der Studiofotografie normalerweise auf größere Brennweiten zurück, beim Fotografieren von Portraits für gewöhnlich auf mindestens 50mm. Aber auch bei der Still-Life-Fotografie verwendet man grundsätzlich große Brennweiten.

Nun… Manchmal möchte ich dann trotzdem nicht auf die wunderbare Qualität des 35mm Objektivs verzichten und freue mich viel lieber über die Brillanz der Fotos, die es liefert. Aus diesem Grund habe ich es auch letztens wieder auf meine Kamera gegeben, als ich ein kleines Set mit bunten Smoothies aufgebaut hatte, um mit ihnen zwischendurch einen Frozen-Liquid-Versuch zu starten. Dazu muss man Flüssigkeiten mit High-Speed fotografieren, um diese auf dem Foto dann so wirken zu lassen, als wären sie eingefroren.

Von den Ergebnissen könnt ihr euch selbst ein Bild machen… Es hat sehr großen Spaß gemacht, das auszuprobieren. Manchmal wurden die Spritzer der bunten Smoothies leider nicht so scharf, wie ich sie mir gewünscht hätte. Allerdings war ich im Nachhinein trotzdem mit dem Resultat zufrieden, das das SIGMA Art in dieser Situation geliefert hatte.

bild1

bild2

 

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