Das umstrittene Siegerbild des World Press Photo Award 2017


World Press Photo 2017/ Photo of the Year EMBARGO Mo. 13.02 11.30 UHR!!!

Burhan Ozbilici /AP/World Press Photo

Die Pressefotos des Jahres werden alljährlich  mit dem World Press Photo Award gekürt. Es ist nicht ungewöhnlich für diesen Award, dass er so manche Kontroverse nach sich zieht.


Pressefotografie findet  dort statt, wo Ereignisse, Errungenschaften aber auch Tragödien und Katastrophen passieren. Dass dabei nicht nur Schönes auf den Bildern zu sehen ist, ist eine Tatsache und logisch.
Letztes Jahr wurde zum Beispiel ein Foto von Warren Richardson gekürt. Dieses zeigte einen  Mann, der mit verzweifeltem Blick ein Baby durch einen Maschendrahtzaun entgegennimmt. Es handelte sich dabei um eine Szene, die sich in den  vergangenen Jahren wahrscheinlich hunderttausende Male zugetragen hat. Menschen aus Kriegsgebieten auf der Flucht nach Europa.
Dieses Jahr jedoch löst das Siegerfoto bei besonders vielen Menschen Unmut aus. Gekürt wurde ein Bild von Burhan Ozbilici. Es zeigt einen Mann, welcher in Siegerpose, die linke Hand nach oben gestreckt, in einer Galerie steht. In der rechten Hand hält er eine Waffe und zu seiner linken am Boden liegt eine Person im Anzug.
Der Mann auf dem Foto war Mevlüt Mert Altıntaş und er hat kurz zuvor den russischen Botschafter Andrey Karlov in dieser Kunstgalerie in Ankara erschossen. Auch der Attentäter selbst starb kurz darauf durch eine Kugel der Sicherheitskräfte vor Ort.
Es lässt sich nicht leugnen, dass dieses Bild etwas unglaublich Dramatisches zeigt. Doch das taten die Siegerbilder des World Press Photo Awards schon immer. Warum also empfinden es so viele Menschen als falsch, dass man genau dieses Bild zum Siegerbild gekürt hat?

Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass das Bild „explosiv“ und „unglaublich schonungslos“ sei und damit den „Hass unserer Zeit ausdrückt“.

Es war eine sehr schwere Entscheidung, aber am Ende fanden wir, dass das Foto des Jahres ein sehr explosives Bild ist, das wirklich den Hass unserer Zeit ausdrückt. Jedes Mal, wenn es auf einem Bildschirm erschien, schreckte man auf, weil es ein so explosives Bild ist und wir wirklich gemeint haben, dass es unserer Definition entspricht, was ein World Press Foto des Jahres sein und aussagen soll.“  (Mary F. Calvert, Jurymitglied)

Kritiker meinen jedoch, dass es nicht richtig gewesen sei, dieses Bild zu küren, denn damit laufe man Gefahr, dem Täter zu viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Sie finden, dass das Opfer  dadurch zu einer gesichtslosen Figur am Boden wird und der Täter durch seine Pose und seine Präsenz auf dem Bild fast heldenhaft dargestellt wird.

Was meint ihr? Findet ihr auch, dass das Küren dieses Bildes eine falsche Botschaft sendet? Könnte es wirklich zur „Heroisierung“ des Täters führen? Könnte es Nachahmungstäter motivieren, ähnliche Gewalttaten zu begehen, um damit „berühmt“ oder unvergesslich zu werden?

  1. Erschreckend anwidernd beeindruckend. Hier zeigt der Hass eine abscheuliche Fratze. Siegerbild? Da bin ich auch sehr gespalten. Mir sind Bilder, die Menschlichkeit, Mitgefühl und Trauer wecken lieber. Dieses Bild trägt eher zu Ratlosigkeit, Verstörung und Versunsicherung unserer Zeit bei. Ich bezweifle, dass dieses Bild einen Beitrag leisten kann zu verhindern, dass immer mehr Menschen in unserer Welt ideologisch und emotional verblendet und fehlgeleitet werden, dass sie sich derart monströs gebärden. Wie in einem Spiegel wird jeder vor allem das sehen, was seiner persönlichen Einstellung entspricht. Den triumphalen Erfolg oder die erschreckende, fragwürdige Überzeugung angesichts eines soeben begangenen Mordes. Könnte auch ein Werbefoto für Al Kaida oder IS sein. Deshalb aus meiner Sicht ungeeignet als Siegerbild.

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    1. Dein Kommentar hat noch viel besser in Worte gefasst wie ich selbst über dieses Bild und den Siegertitel denke! Vielen Dank dafür!!

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  2. Für mich ist das Bild eine gute Wahl. Ich denke im Idealfall sollte Pressefotografie einen schonungslosen Blick auf die Welt zeigen, möglichst ohne zu bewerten, denn das sollte dem mündigen Betrachter überlassen bleiben. Alles andere ist ein Schritt in Richtung Zensur. Ja, manche mögen sich mit dem Attentäter identifizieren und ihn heroisieren, aber das ist für mich kein Grund dieses Bild zu unterdrücken. Das Bild konkretisiert etwas das für viele Betrachter sonst abstrakt wäre, und für diese Leistung hat es den Preis verdient.

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    1. Ich bin auch der Meinung, dass Pressefotografie dazu dienen soll den Blick besonders auch auf Dinge zu lenken vor denen man gerne mal die Augen verschließt. Das Bild ist definitiv sehr gut und die Leistung des Fotografen, vor allem wenn man bedenkt in welche Gefahr er sich damit brachte, auf jeden Fall bemerkenswert. Aber durch die Auszeichnung des World Press Awards gerade dieser Siegespose in Zusammenhang mit dem Geschehenen eine solche Reichweite und Bühne zu bieten finde ich auch sehr bedenklich.

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  3. @Robert: Es geht hier nicht um Zensur oder Unterdrücken eines Bildes, sondern darum es aus anderen guten Bildern mit Aussagekraft hervorzuheben. Dafür sollte die Wirkung eines Bildes von Bedeutung sein, und die ist hier meines Erachtens auf ungute Weise zweideutig. Abstraktion hin oder her, die Siegerpose eines Mörders muss und will ich eigentlich nicht sehen. Das ist nich von Wert! Das Bild ist zweifellos gut und hat seine Berechtigung, aber es durch eine Auszeichnung zu puschen ist meiner Ansicht nach völlig zu Recht höchst fragwürdig.

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