Tom Hoying – „Scenic View“


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Foto: Tom Hoying

All jene von euch, die in den letzten zehn Jahren auf Reisen waren, haben mit Sicherheit eines gemerkt – Kameras und Smartphones sind überall.
Oft, wenn man einen wunderschönen oder bedeutenden Ort besucht, sind es vor allem Menschen, die das Ganze durch ihre Linse oder ihren Bildschirm erleben, die man dort findet.
Ich gehöre auf keinen Fall zu jenen Personen, die sich darüber aufregen dürfen. Meistens bin ich auch eine von denen, die dort stehen und fotografieren. Ich würde auch niemals auf meine Foto-Erinnerungen verzichten wollen, denn sie bedeuten mir sehr viel. Nichtsdestotrotz  frage ich mich des Öfteren, ob das „alles auf Foto oder Video einfangen-Wollen“ nicht aus dem Ruder gelaufen ist. Nimmt es uns vielleicht nicht gar manchmal die Chance, den Moment wirklich zu erleben?

Kameras sind überall, egal ob man in der Oper sitzt, oder in der Menge eines Konzertes tanzt. Viele Menschen sehen sich anscheinend lieber die Fotos oder Videos danach auf ihren Smartphones oder Laptops an, als live, direkt dort wo es passiert.

Tom Hoyings Projekt „Scenic View“ behandelt genau dieses Phänomen. Auf seiner Website schreibt er, dass Scenic View aus einer Reihe von Fotos besteht, welche die Kultur des Tourismus und die Bedeutung, die Fotografie dabei spielt, portraitieren soll. Fotografie ist dabei ein Werkzeug, welches Erlebtes dokumentiert und auch vermittelt.
Meiner Meinung nach zeigt sein Projekt genau das, was ich hinsichtlich der modernen Art zu Reisen und zu Erleben empfinde.
Eines der Fotos zeigt zwei Personen die vor dem Grand Canyon stehen, doch anstatt sich auf die atemberaubende Landschaft einzulassen, stehen sie dort mit ihren Kameras und Smartphones und ihr ganzes Augenmerk scheint darauf zu liegen, das perfekte Foto zu machen.
Tom Hoying schreibt, dass oft die Erwartung an ein fotografiertes Erlebnis und die Erinnerungen, die man mit einem Foto assoziiert, bedeutender sind als das, was man wirklich erlebt hat.
Mir persönlich, als jemand der es liebt zu fotografieren, macht dieser Satz bewusst, dass ich mich wieder mehr auf die Momente des Erlebnisses einlassen muss. Natürlich werde ich weiterhin fotografieren sobald ich etwas sehe oder erlebe, das mir etwas bedeutet, ich könnte gar nicht anders. Trotzdem werde ich mich in Zukunft daran erinnern, einen Moment inne zu halten, den Augenblick wirklich wahrzunehmen und präsent zu sein.

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Foto: Tom Hoying

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Foto: Tom Hoying

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4 Gedanken zu „Tom Hoying – „Scenic View“

  1. Du sprichst mir zum großen Teil aus der Seele. Spätestens bei künstlichem Verschlussgeräusch und deplatziertem Blitz kommt mir die Galle hoch. Gerade dann, wenn ich mit anderen Jugendlichen unerwegs bin (mache viel Jugendarbeit) bleibt die Kamera bewusst zuhause. wir wollen gemeinsam was erleben, nicht uns nur über Bildschirme begegnen.

    Andererseits: Wenn man auf Reisen photographiert, versucht, dass was man sieht, vermittelbar zu machen, betrachtet man den Ort ganz anders.
    Mir gehts häufig so, dass die Besten ERinnerungen nicht aufgenommen wurden. Die Meisen oder der Zaunkönig, der nah an meinem Versteck vorbeihüpfte – zu nah für das Tele, der Raubvogel, den ich nicht ablichten, aber bei der Jagd beobachten konnte, es kommt vor, ohne gutes Bild nach Hause zu kommen, aber nie, ohne was zu erleben.

    LG
    Jakob

    • Hey Jakob! 🙂 Danke für deinen tollen Kommentar!! Das mit dem: Kamera mal zu Hause lassen , vor allem wenn man mit anderen unterwegs ist, ist eine gute Idee! Das werd ich mir jetzt auch ab und zu vornehmen! Und du hast total recht, ich habe auch schon bemerkt, dass ich manchmal einen Ort viel bewusster wahrnehme wenn ich ihn fotografieren will! Es hat also beides sein für und wider! 😉
      Ich denke, solange man beides noch kann; Erleben und auf Foto festhalten passt alles. Sobald man a aber, oder besser gesagt, sobald ich merke ,dass ich nur noch fotografiere um halt Fotos zu haben die ich dann herzeigen oder hochladen kann oder sonst was… wird es kritisch!

      • ICh mache das meist so: Wenn ich als Gruppenleiter dokumentieren soll, nehme ich die Digitale mit, wenn ich Teilnehmer bin – oder mit Freunden losziehe meine Analoge: Dann bin ich auf 30 Schuss sw beschränkt, und habe hinterher noch das Vergnügen, das im Labor alles in Ruhe noch mal zu betrachten. Na GUt: Nach Norwegen musste es dann doch die digitale sein…

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