Das Mädchen mit den grünen Augen wurde abgeschoben


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Jahre, nachdem Sharbat Gula durch ein Foto des berühmten Fotografen Steve McCurry zu einer Ikone der Reportage-Fotografie wurde, kam sie erneut in die Schlagzeilen. Leider aus keinem positiven Grund. Die inzwischen 45-Jährige, die Mutter von vier Kindern ist, wurde vorige Woche in ihr Geburtsland Afghanistan abgeschoben. Sie kam Anfang der 1980er Jahre als Kind mit ihrer Familie nach Pakistan, das sie selbst als ihr Heimatland bezeichnet, in dem sie leben und sterben möchte. Die Abschiebung, die darauf begründet wurde, dass sie angeblich im Besitz falscher Papiere gewesen war, aufgrund derer sie sogar kurz inhaftiert wurde, trifft sie sehr hart.

Steve McCurry hielt sich im Jahr 1984 in Pakistan auf, wo er in einem Flüchtlingslager bei Peschawar fotografierte, um das Schicksal afghanischer Flüchtlinge zu dokumentieren. Afghanistan war zu dieser Zeit ein vom Krieg mit der Sowjetunion geschundenes Land. Dort traf er auf Sharbat Gula, deren Foto auf dem Titelbild einer Ausgabe des Magazins National Geographics abgedruckt wurde, wodurch sie als „Mädchen mit den grünen Augen“ weltbekannt wurde.

Steve McCurry hatte sich im Jahr 2002 mit National Geographics auf die Suche nach Sharbat Gula begeben, von der man nicht mehr wusste und hatte, als dieses eine Foto. Durch Informanten in dem immer noch bestehenden Flüchtlingslager in Pakistan konnte er sie jedoch aufspüren. Mehr dazu könnt ihr in dem Online-Artikel des Magazins lesen.

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Sharbat Gula lebte zu dieser Zeit in einem Dorf in Afghanistan, nicht weit entfernt von der pakistanischen Grenze, wohin sie Mitte der 90er Jahre mit ihrem Mann und ihren Kindern gezogen ist. Sie selbst hatte bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst, für welche Furore sie im Jahr 1985 mit ihrem Foto gesorgt hatte, Steve McCurry erkannte sie jedoch sofort wieder, da er, laut ihren Angaben, der einzige war, der sie jemals fotografierte.

Ruft man die offizielle Seite des Fotografen auf Facebook auf, findet man in den vergangenen Tagen ausschließlich Posts, in denen er über Sharbat Gulas aktuelles Befinden und ihre Rückkehr nach Afghanistan unterrichtet. Unter anderem veröffentlichte er am 31. Oktober folgenden Beitrag:

„It is our understanding from good sources in Peshawar, Pakistan, that she will be released tomorrow, Tuesday.

We should all continue to press the officials to not only release her, but to treat her and her family with the utmost dignity, care, and respect as she prepares to make many important decisions which will affect her children in so many ways, including the continuation of their education.“

 Die Zeit schreibt in einem Artikel : „Ihr Bild stand für die Not afghanischer Flüchtlinge, die damals in Pakistan mit großer Hilfsbereitschaft aufgenommen wurden. Die Abschiebung Gulas nach Afghanistan werde dagegen ein Sinnbild für die ‚grausame Behandlung afghanischer Flüchtlinge’ im heutigen Pakistan werden.

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