Dokumentation oder Imagination – die Reisefotografien von Jimmy Nelson


Hallo ihr Lieben!

Letztens bin ich auf einen Artikel über Jimmy Nelson gestoßen. Wer diesen Herren nicht kennt – er ist ein beeindruckender Fotograf, der vor allem für seine pompösen Portraits von diversen Volksstämmen bekannt ist. Zu seinem Stil gehört es, diese stark zu inszenieren. Egal, ob es sich dabei um die Bekleidung der abgelichteten Menschen handelt, oder um die Szene, in die er sie hineinsetzt, zum Beispiel auf Felsen, die eine atemberaubende Aussicht auf die Landschaft im Tal bieten.
Aber auch die Art, wie Nelsons Modelle sich auf den Fotos bewegen, bzw. auch statisch dastehen, spiegelt seinen eigenen einzigartigen Stil wieder: im Gleichschritt durch die Wüste, mit einem stolzen Blick in die Ferne oder aufgefädelt in verschiedenen Positionen auf einem Baumstamm. Seine Charaktere weisen eine enorme Eleganz auf und innere Stärke.

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Nun habe ich allerdings in dem Artikel gelesen, dass Jimmy Nelson gerade für diese Aspekte, die seinen Stil prägen, stark kritisiert wird. Da er sich einem sensiblen Thema gewidmet hat – indigene, teilweise vom Aussterben bedrohte Völker, haben sich diverse Organisationen, aber auch Mitglieder der indigenen Stämme, die Nelson fotografiert hatte, eingeschaltet und ihre Meinungen dazu verlauten lassen.

„Before they pass away“ lautet der Titel der Serie des Fotografen, die laut ihm ein unverrückbares, ethnografisches Dokument einer fast ausgestorbenen Welt ist. Protestierende Stimme hingegen sagen, dass die Bilder wenig mit der Realität, sondern viel mehr mit Nelsons persönlicher Fantasie zu tun haben. Woraufhin Jimmy Nelson im Guardian folgendes gesagt hat:

„So sehe ich die Welt. Ich möchte damit die Vielfalt und Wichtigkeit indigener Völker betonen. Ja, es ist idealistisch. Indigene Völker werden oft als verarmt dargestellt. Aber sie sind wohlhabend und stolz. Es geht nicht nur um materiellen Besitz. Ich habe mit meinen Bildern eine sehr persönliche, ästhetische Perspektive gewählt. Und unterschiedliche Menschen können die interpretieren, wie sie wollen.

Der größte Kritikpunkt, die Inszenierung und Nachbearbeitung der Fotos, die eigentlich dokumentieren sollten, von denen viele erwarten, dass sie so viel Wahrheit wie möglich wiederspiegeln, fällt außer Jimmy Nelson noch einem weiteren Großen der Reisefotografie zu: Steve McCurry.

Was haltet ihr davon? Dürfen Reisefotografen eurer Meinung nach inszenieren und retuschieren? Oder sollten sie die Realität 1:1 so ablichten, wie sie ist? Muss man als Fotograf, der dokumentarisch arbeitet, beziehungsweise sich einem solchen Thema widmet, seine eigene Fantasie, seine persönlichen Vorstellungen zurückschrauben?

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  1. Dürfen Sie schon, aber mit Wirklichkeit hat das nichts mehr zu tun.

    Wenn ich in das Land gehe werde ich niemals das sehen was dort auf den Fotos zu sehen ist, von daher ist die Frage wie man es betrachtet.

    Als Kunst, vollkommen ok. Als Photography… .grenzwertig. Ich nehme Photography wörtlich, Malen mit Licht, nicht Malen mit Photoshop

    Antwort

    1. Ich bin auch der Meinung ,dass durch Photoshop und Co schon enorm viel an echter Fotokunst verloren gegangen ist! Leider ist es halt oft viel zu verlockend, aus einem Bild mittels Photoshop NOCH MEHR rauszuholen. Solange das ursprüngliche Bild dabei nicht verloren geht, find ich das auch ok, aber das rumbasteln am Computer im Nachhinein, sollte sich halt schon in Grenzen halten!

      Antwort

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