Den Spiegellosen gehört die Zukunft!


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Alle die so oft in Fotoforen unterwegs sind wie ich, haben bestimmt Diskussionen mitbekommen in denen es um das Spiegelreflex-Konzept und seine Zukunft geht. Laut vielen Mirrorless-Liebhabern soll der alte Klapperspiegel längst ausgedient haben. Zu groß, zu laut und zu teuer soll er sein, um im 21. Jahrhundert lange relevant zu bleiben. Darüber hinaus erlaube der optische Sucher einem nicht die Belichtung und den Weißabgleich vor dem Auslösen zu beurteilen. „Den Spiegellosen gehört die Zukunft!“, liest man in solchen Threads oft. Stimmt das aber?

Es ist kein Geheimnis, dass es die Fotobranche derzeit sehr schwer hat. Einerseits greifen viele Knipser zu Smartphones statt zu Kompaktkameras, andererseits schrumpfen auch die restlichen Kameramärkte, wobei nicht annähernd so stark. Was nach dem Lesen vieler Anti-DSLR-Threads überraschend kommt, ist die Tatsache dass der Markt der Spiegellosen viel schneller schrumpft als der der DSLRs. Laut CIPA hat es derzeit nicht nur Nikon schwer seine „Non-Reflex“ außerhalb Japans an den Mann/die Frau zu bringen. Wer hätte das gedacht? 😉

Bitte nicht als Schadenfreude auffassen, ich bin kein DSLR-Fanatiker, sonst würde ich nicht zwei DSLMs mein Eigen nennen. 😉 Mich regen aber Leute auf, die ohne nachzudenken auf den Hype-Zug aufspringen. Wann hat das letzte Mal in der Geschichte der Fotografie ein Konzept ein anderes ersetzt? Das passiert nicht so oft wie man meinen würde. Ich bin der Meinung, dass DSLRs und Mirrorless ihre jeweiligen Vor- und Nachteile haben und einander nicht ersetzten können. Zumindest so lange nicht, bis man Wege gefunden hat gravierende Nachteile von Mirrorless-Kameras beim Scharfstellen (besonders AF-C), beim „Live-View“ (was ist eher „Live“, ein Spiegel der die Welt in Echtzeit anzeigt oder ein eSucher/LCD mit ½ Sekunde Verzögerung?) und bei der Akkulaufzeit auszumerzen. All das wird aber nicht so schnell kommen, Teetrinken und Fotografieren ist angesagt. 😉

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7 Gedanken zu „Den Spiegellosen gehört die Zukunft!

  1. ja, im Moment hat die DSLR mit Klapperkasten noch paar Vorteile. Ohne die Kamera anzuschalten kann man schon Ausschnitte der zukünftigen Bilder betrachten. Und in der Tat ist die Auflösung der EVs noch nicht wirklich gut. Also zumindest nicht so gut, dass ich keine Pixel erkenne. Auch der angeblich so tolle Sucher von Sony hat mich sehr enttäuscht. Aber ich bin mir sicher, dass dies nur noch eine Frage der Zeit ist und dann ….
    Als ich meine erste Spiegelreflex gekauft habe, gab es nur noch wenige Kameras die sich ohne Strom bedienen lassen konnten. Nun scheint das mit den Akku sicherlich kein geringeres Problem.
    Wenn man aber das mit dem Akku mal außen vor lässt, dann finde ich die Spiegellosen wirklich toll. Allerdings sollten die Displays der Kamera mal endlich besser werden. 460 k Auflösung bei einer SD 1 ist ein Witz und die 920 K bei den DPs M sind immerhin schon brauchbarer. Aber die Display sind ja recht klein, so dass ein hinneinzoomen nicht ausbleibt. Da ist ein „Live“View mit Lupe zur Schärfekontrolle doch echt ein Vorteil im Vergleich zu einem Spiegelkästchen.

    • M.M.n. werden EVILs und DSLRs länger koexistieren als die meisten denken. Beide Konzepte haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Die DSLRs haben immer noch den viel besseren AF und die um Faktoren längere Akkulaufzeit. Sie sind auch wesentlich robuster und können in vielen Situationen eingesetzt werden, wo auch die besten EVILs versagen. Die EVILs sind wegen der Größe praktischer und haben wegen dem „LiveView“ weitere, besonders für Anfänger wichtige, Vorteile.
      Ich mag beides, deswegen habe ich neben der SD1 die DP2M und die DP3M. 😉

      • Die D3 ist ohne Zweifel eine tolle Kamera, aber LiveView würde ich mit ihr nicht benutzen wollen. Genauso wenig wie mit jeder anderen DSLR.

  2. Alles hat Vor- und Nachteile! Ich bin wegen der Möglichkeiten des EVF komplett auf die Neuen bei Sony umgestiegen und bin mit A99 (Portrait Outdoor und Studio), A77 (Reise und Backup) und NEX-7 (Immerdabei), je nach Einsatzbereich sehr zufrieden und möchte eigentlich nichts anderes mehr. Was ich sehr schätze ist das WYSIWYG des EVF – von 1/2 Sekunde Verzögerung habe ich bisher nichts gemerkt, denn sonst würden Mitzieher nicht funktionieren. Ebenso genial finde ich die „Restlichtverstärkung“ in der Dämmerung und bei Dunkelheit und die Kontrastkantenanhebung bei MF.
    Aber natürlich ist der EVF bei Tageslicht nicht so gut wie der OVF, aber ich habe mich direkt an den neuen Workflow angepasst und brauche nicht mehr ein oder zwei Bilder machen um die richtige Belichtung zu finden, sondern kann am Bild im Sucher und durch das eingeblendete Histogramm vor dem ersten Bild die Belichtung richtig wählen.
    Als Ergänzung: Zwischen DSLR mit Schwingspiegel und DSLM gibt es noch DSLT – nur als Ergänzung. Und ich denke, dass in Kürze auch DSLT Geschichte ist und der Spiegel ganz wegfällt, wenn die AF-Sensoren auf dem Bildsensor verteilt sind.

    • „Und ich denke, dass in Kürze auch DSLT Geschichte ist und der Spiegel ganz wegfällt, wenn die AF-Sensoren auf dem Bildsensor verteilt sind.“
      Das glaube ich eben nicht. Die Spiegellosen verbrauchen so viel Saft, dass man mit ihnen nicht mal auf ein 1/4 der Bilder/Akku kommt, wie mit einer DSLR. Darüberhinaus reagieren Displays äußerst empfindlich auf Hitze und Kälte. So gut wie jede EVIL hat Überhitzungsprobleme bzw. der LCD/EVF wird bei Minusgraden unbrauchbar träge. Die DSLRs haben damit keinerlei Probleme. Der Spiegel ist überall dort im Vorteil, wo man auf Schnelligkeit und Robustheit angewiesen ist.

  3. Das stimmt doch so alles nicht…
    – Kein EVF hat Verzögerungen in der Nähe einer halben Sekunde. Es geht um Millisekunden, Probleme gibt es nur noch manchmal bei sehr schnellen Mitziehern, und auch da nur, wenn das Objekt sich in einem ungünstigen Winkel bewegt. Problematisch ist eher noch der geringe Dynamikumfang, bei Szenen mit sehr hohem Kontrast wird es schwierig.
    – Natürlich verbraucht der EVF zusätzlich Strom. Aber dass die Akkulaufzeiten geringer sind, liegt ganz wesentlich auch daran, dass in kleinen spiegellosen Kameras eben auch kleinere Akkus verbaut werden. Einen Klappspiegel für Live View oder Videoaufnahmen oben zu halten verbraucht übrigens auch eine Menge Saft.
    – Welche EVIL hat Überhitzungsprobleme, die bauartspezifisch wären? Bei der ersten Generation gab es Probleme beim Filmen, aber da wurde der Sensor zu heiß. Bei aktuellen Modellen sind die Laufzeiten für Video auf dem gleichen Niveau wie bei DSLR’s. Meine Nex-5n hat zB einen EVIL zum oben drauf schrauben. Den kann ich also rundum anfassen, und ich kann dir versichern: Er erwärmt sich nahezu gar nicht.
    – Dass der Spiegel „überall dort im Vorteil [sei], wo man auf Schnelligkeit und Robustheit angewiesen ist“, ist nunmal ausgemachter Unfug. Ein EVF enthält kein bewegliches Bauteil, und wo sich nichts bewegt, geht auch wenig kaputt. Die Trägheit der Displays bei extremer Kälte betrifft die rückwärtigen Displays einer DSLR genauso, und ohne Display ist auch die nur eingeschränkt bedienbar. Viele Aufnahmen von Nordlicht bei extremen Minusgraden mit Sony Alpha 77 und 99 (die ja die gleichen EVF’s haben, wie die NEX) zeigen übrigens, dass das real kein nennenswertes Problem ist. Im Betrieb ist eine EVIL deutlich schneller, denn ohne Klappspiegel sind viel höhere Bildfrequenzen möglich, auch die Auslöseverzögerung ist spürbar geringer. Bei meiner Nex-5n ist sie de facto nicht mehr wahrnehmbar (unter 20 Millisekunden), und die kleine Kiste schießt kurzzeitig 10 B/s.
    – Beim AF lagen die EVIL’s bisher klar zurück, aber da tut sich aktuell viel, PDAF auf dem Hauptsensor wird dem klassischen PDAF mit separatem Sensor bald ebenbürtig sein. Und auch da haben die EVIL’s dann einen klaren Vorteil: Der AF ist immer 100% exakt, Probleme mit Back-/Front-Fokus kann es bauartbedingt nicht geben. Bei einer DSLR müssen ja die drei Wege (zum Bildsensor, zum AF-Sensor, zum Sucher) extrem exakt kalibriert sein, was ihre Herstellung so aufwändig und teuer macht. Bei EVIL’s fällt das weg – es wäre bloß zu wünschen, dass sich das auch mal beim Preis abbildet. Ich vermute aber eher, dass auch DSLR’s bald den PDAF auf dem Hauptsensor nutzen, der Preis aber gleich bleibt…

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