Sigma DP2 Merrill auf den zweiten Blick


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Als eine der wenigen Kameras am Markt die einen großen Sensor mit einer auf diesen perfekt abgestimmten Festbrennweite verbindet ist die DP2m ein fotografisches Werkzeug, an dessen Grenzen man sich langsam vortasten muss. Welcher Blendenbereich ist optimal, wie weit darf man die Empfindlichkeit hochschrauben, welche Motive liegen ihr besonders gut? Antworten auf diese und viele andere Fragen bekommt man erst nachdem man sie über einen längeren Zeitraum im Einsatz hatte.Sigma DP2 Merrill

Mit umgerechnet 45mm verfügt das Objektiv der DP2m über eine sehr flexibel einsetzbare Brennweite. Auch wenn man vorher überwiegend Zoom-Objektive verwendet hat, fühlt man sich nach kurzer Eingewöhnungszeit mit einer Normalbrennweite pudelwohl. Nicht ohne Grund waren diese Objektive unter Fotojournalisten und Dokufotografen schon immer sehr beliebt. Die „go to“ Optiken machen es möglich unterschiedlichste Motive einzufangen, ohne dabei einen Reisekoffer voll mit Fotoausrüstung dabei haben zu müssen. Zwar muss man auch mit einer Festbrennweite Kompromisse eingehen, diese liegen jedoch weder im Bereich der Bildqualität noch der Lichtstärke. Der feste Blickwinkel bringt einen dazu sich zu bewegen und mit Motiven auseinanderzusetzen ehe man sie auf den Sensor bannt. Viele Fotografen, mich eingeschlossen, betrachten diese Eigenschaft von Festbrennweiten als etwas Positives, da sie langfristig den „Blick schärft“.

Die Sigma DP2 Merrill ist die perfekte Kamera für Puristen. Auf einige Features, wie den Bildstabilisator oder automatisches HDR-Bracketing, muss man verzichten. Abhängig davon wie man fotografiert – ob man an die Hand genommen werden oder am liebsten alles manuell einstellen möchte – wird man diesen Fotoapparat entweder hassen oder vergöttern. Meiner Erfahrung nach ist es von Vorteil sich mit Grundlagen zu beschäftigen – obwohl solche Features nett sind, machen sie einen auf Dauer bequem und lernresistent. Richtig lernen kann man nur ohne Sicherheitsnetz, wenn die Möglichkeit besteht auf die Nase zu fallen. ;) Bei manchen Kameras ist es auch so, dass man vor lauter „Featureitis“ nicht ohne weiteres an die Grundfunktionen der Kamera herankommen kann. M.M.n. ist in der Fotografie kaum etwas so frustrierend, wie wenn man grundlegende Aufnahmeparameter beeinflussen möchte, und statt dies unkompliziert machen zu können sich durch elendslange Menüs durchkämpfen muss. Da gefällt mir der direkte Zugriff der DP2m viel besser. Lieber wenige aber ausschlaggebende Funktionen, die man im Handumdrehen einstellen kann, als hundert, von welchen die meisten kaum der Rede wert sind, wo man aber jedes Mal die Kamera wie einen Rechner „programmieren“ muss. Und wo wir schon bei nutzlosen Features sind: in jüngster Vergangenheit lese ich oft in den Foren wie manche Objektive „Schrott“ sind, weil sie keinen Stabi haben. Manchmal wird sogar über Weitwinkelobjektive gemeckert, weil sie keinen haben. Ich bin überzeugt dass ein Stabi nicht mal beim 45er (KB) der DP2m einen nennenswerten Vorteil bringen würde, geschweige denn bei einem Weitwinkel. Ihn bezahlen und sich mit mehr Gewicht und Größe arrangieren müsste man trotzdem. Also lieber ohne. Nichts steht im Weg, das ist es was mir an der DP2m so gut gefällt.

Was man bei der DP2m im Auge behalten muss, ist die Empfindlichkeit. Für überragende Schärfe sollte man nicht über ISO400 gehen. ISO800 und 1600 sind auch in Farbe brauchbar, in diesem Empfindlichkeitsbereich sollte man tendenziell 1/3 überbelichten und entrauschen um die besten Ergebnisse zu erzielen.

Dank hervorragender Leistung bei Offenblende ist man nur in wenigen Fällen auf die höheren Empfindlichkeitsstufen angewiesen. Wobei das natürlich davon abhängt, was man fotografieren möchte. Ich hab das nicht „wissenschaftlich“ getestet, aber mir sind keine Unterschiede zwischen f2.8, f4, f5.6 und f8 aufgefallen. Erst ab f11 scheint sich Beugungsunschärfe bemerkbar zu machen. Sich aus Gründen der Bildqualität kein Gedanken um die Blende machen zu müssen ist sehr befreiend. Die Blenden-Zahl kommt erst dann ins Spiel, wenn man über die Tiefenschärfe und den Effekt, den man erzielen möchte, nachdenkt.

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Zusammengefasst ist die DP2m keine Low-Light-Monster. Wer das sucht ist hier falsch. Was man mit der DP2m bekommt ist eine unkomplizierte Kompaktkamera mit hervorragendem Objektiv und einem messerscharfen Sensor bei niedrigen Empfindlichkeiten. In diesem Bereich braucht sie sich vor keiner anderen bezahlbaren Kamera verstecken. Wer sich gerne Zeit lässt und über Motive Gedanken macht – anders gesagt, entschleunigt fotografiert – und dabei eine Immerdabei-Kamera sucht, sollte sich die DP2m näher anschauen.
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Weitere DP2m-Fotos findet ihr auf Pinterest oder im Flickr-Album.

  1. […] so schön sagt, besser spät als nie  Gerade noch rechtzeitig ehe ich verlernt habe wie man die DP2m bedient. Nach dem Essen auf die Schnelle ging es in den Park, wo ich den Rest des Nachmittags […]

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  2. […] Schwein, trinkt Bier oder Rakija und tauscht Geschichten aus. Ich konnte mich aber mit der DP2m und SD1 kurz herausschleichen um weitere Fotos von der Gegend zu […]

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  3. […] habe, gibt es schärfere Normalbrennweiten unter der Sonne (mehr zur DP2m gibt es hier und hier). Auch die beiden neuen von Sigma, das 35mm f1.4 Art und das 30mm f1.4 Art, sind den […]

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  4. […] man den Bildern entnehmen kann, haben die DP2M und die DP3M das gleiche Gehäuse. Der einzige Unterschied ist das verbaute Objektiv, welches bei […]

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  5. […] Bitte zu folgen, habe ich gleich einige Backsteinwand-Fotos sowohl mit der DP3M als auch mit der DP2M gemacht, und die meiner Meinung nach interessantesten Bilder, die ich mit beiden Kameras im Laufe […]

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  6. […] Zeit also sich eine Meinung zur Kamera zu bilden. Zugegeben, ich habe sie nicht, wie die DP2M (1, 2), als Allzweckkamera benutzt, sondern überwiegend für Makro, weswegen ich nicht sagen kann, wie […]

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  7. Danke für deinen Bericht. Die Bilder sehen in der Tat sehr knackig und detailreich aus. Wie weit spielt da die Bearbeitung eine Rolle? Also wie sehr musstest du das nachschärfen, die Kontraste bearbeiten, usw.? Und noch eine Frage: wie sieht das mit dem Dynamikumfang aus? Ist der eher schlechter als bei aktuellen Bayer-Knipsen Marke…sagen wir mal D700? Danke und Grüße, G.Stöver

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    1. Ich schärfe kaum nach. Ich bearbeite die Fotos in Lightroom (als letzten Bearbeitungsschritt) und stelle beim Exportieren das Nachschärfen auf niedrig. Ansonsten schärfe ich weder in SPP noch in Lightroom nach.
      Bezüglich der Dynamik, denke ich das Vollformatsensoren die Nase vorn haben. Auch andere APSC-Sensoren kommen an VF nicht heran.

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  8. Man merkt, dass du beim Fotografieren die gleichen Prioritäten setzt wie beim Essen: hohe Qualität mit einem Schuß Purismus. Gefällt mir sehr gut! Wo findest du eigentlich die Menge an Katzen-Models?

    Antwort

    1. Man merkt, dass du beim Fotografieren die gleichen Prioritäten setzt wie beim Essen: hohe Qualität mit einem Schuß Purismus. Gefällt mir sehr gut! Wo findest du eigentlich die Menge an Katzen-Models?

      Hallo Bob,

      vielen Dank für das Kompliment. Die Katzen finde ich beim Spazieren – hier gibt es sehr viele herrenlose Katzen. Einige leben in meiner Nachbarschaft, weswegen ich einen Futternapf habe, den ich regelmäßig auffülle. 😉

      Antwort

  9. Wunderbare Bilder, tolle hilfreiche Infos.

    Habe meine DP2 Merrill auch heut bekommen und gleich ein wenig rumgetestet:

    Kamera kleiner als gedacht aber recht dick, brikettartig. Etwas zu glatt. Drehrad oben nicht gut positioniert, sollte lieber zur Geräterückseite hin sein/Daumenbedienung aber da sitzt schon der Halter für die Schlaufe davor. Speed der Kamera und Speicherzeiten mit guter 64GB Karte finde ich ok, Bildschirm auch ausreichend, Akkuverbrauch ist tatsächlich krass, AF etwas lahm und nicht ganz treffsicher, AF/MF Lupe klasse Idee und auch sehr gut umgesetzt.

    Ab ISO 800 finde ich die Quali bei Farbaufnahmen kaum noch verwendbar. Insgesamt schwankt die Bildqualität von urggs bis fantastisch, je nach Motiv, Licht und Aufnahmesituation (und dem Nichtkönnen des Fotografen).

    Schwierig den „plastischen Foveon“ Look zu kreiieren, am ehesten noch mit Motiv im Vordergrund und F2.8. Muss noch üben.

    Achja… Und nie gegen die Sonne fotografieren, auch nicht halbschräg. Es sei denn man mag Kirmes 😀

    Charleax

    Antwort

    1. Wunderbare Bilder, tolle hilfreiche Infos.

      Vielen Dank, Charleax!

      Etwas zu glatt.

      Das stimmt. Das Handling wäre besser, wenn sie vorne eine kleine Griffwulst hätte. So eine wie die Fuji X100T.

      Drehrad oben nicht gut positioniert, sollte lieber zur Geräterückseite hin sein/Daumenbedienung aber da sitzt schon der Halter für die Schlaufe davor.

      Mich stört das nicht. Ich komme sowohl mit dem Drehrad der DP2M, als auch mit solchen auf der Rückseite, wie bei den Oly OM-Ds. Nur mit dem Canon-artigen, vertikalen Drehrad, welches auch als das Steuerkreuz fungiert, komme ich gar nicht zurecht.

      Akkuverbrauch ist tatsächlich krass

      Als ich noch die DP2M (-> mittlerweile verkauft) und die DP3M (habe ich noch) hatte, zog ich immer mit einer Kamera und 4 Akkus los. 😀 Das reichte auch für längere Fototouren aus. Ersatzakkus sind aber nicht schwer zu finden. Es handelt sich um einen recht verbreiteten Akku-Typ.

      AF etwas lahm und nicht ganz treffsicher

      Tagsüber oder bei Low-Light? Tagsüber hatte ich keine Probleme mit dem AF.

      Ab ISO 800 finde ich die Quali bei Farbaufnahmen kaum noch verwendbar.

      Einfach mit dem Blaukanal-Workflow in SW umwandeln und schon passt die BQ wieder. 😉

      https://fotogenerell.wordpress.com/2013/10/31/foveon-workflow-wie-high-iso-nutzbarkeit-verbessern/

      Insgesamt schwankt die Bildqualität von urggs bis fantastisch, je nach Motiv, Licht und Aufnahmesituation (und dem Nichtkönnen des Fotografen).

      Das stimmt. Es hängt mit dem Foveon zusammen. Die Ursache ist aber nicht nur in seiner Low-Light-Schwäche, sondern auch beim Licht zu suchen. Versuch mal abends bei High-ISO draußen und drinnen zu fotografieren. Was du feststellen wirst, ist das Kunstlicht dem Foveon wesentlich weniger schmeckt als natürliches Licht. Das liegt am Farbspektrum. Wirklich schlimm sind Energiesparlampen, da sie ein geringes Farbspektrum haben.

      Achja… Und nie gegen die Sonne fotografieren, auch nicht halbschräg. Es sei denn man mag Kirmes 😀

      Die Foveons reflektieren sehr viel Licht und die Flares haben eine recht spezifische, wabenartige Struktur. Schwer bis unmöglich aus Bildern zu entfernen.

      LG
      Lars

      Antwort

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