Grundlagen der Fotografie – Teil 6 – Brennweiten und ihre Eignung


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Liest man sich Fotoforen – besonders Kaufberatungs-Unterforen –  durch, so merkt man schnell das die Frage nach dem „richtigen Objektiv für…“ eine der am häufigsten gestellten Fragen ist. Anfänger scheinen primär ein Problem damit zu haben, anhand der Millimeter-Angabe die Eignung einer Brennweite zu beurteilen. Weiß man erst mal wofür eine Brennweite gut ist, kann man leicht konkrete Modelle und Tests zu diesen ergoogeln.

weitwinkel-normalobjektiv-teleobjektiv-brennweite

Quelle: foto-kurs.com

Als erstes möchte ich anmerken, dass nichts von dem, was ich im Folgenden schreiben werde den Anspruch absoluter Wahrheit hat. Da Fotografie keine exakte Wissenschaft ist, ist vieles Auslegungssache und unterliegt dem Geschmack und der persönlichen Präferenz. So haben sich nicht wenige Fotografen einen Namen gemacht, indem sie ungewöhnliche oder unübliche Ausrüstung, und damit auch Objektive, eingesetzt haben, um bekannte Motive neu zu interpretieren.

Der obigen Illustration kann man entnehmen, dass weniger Millimeter in einem weiteren Blickwinkel resultiert. Weitwinkel ist alles unterhalb 40mm, wo der Bereich der Normalbrennweite anfängt. Bis zu 28m erzeugen alle Brennweiten eine ausgesprochen stark ausgeprägte Tiefenwirkung. D.h. Gegenstände im Vordergrund werden in Relation zum Hintergrund als besonders groß dargestellt. Je kürzer die Brennweite bzw. je weniger Millimeter, umso stärker der Effekt. Da die Nase enorm groß und die Ohren winzig klein abgebildet werden, kann man diese Brennweiten für Portraits nicht einsetzen, außer dieser Effekt ist aus irgendeinem Grund ausdrücklich erwünscht. Diese Eigenschaft macht sie aber besonders gut für Landschaften geeignet. Man kann ein Motiv im Vordergrund platzieren und so das Auge langsam tiefer ins Foto hineinführen (Leading Lines). Der weite Winkel macht sie auch für Architektur und Innenräume hervorragend. In vielen Situationen kann man nur mit einer bestimmten kurzen Brennweite einen ganzen Raum ablichten. Die Alternative wäre es mit einem Normal- oder Tele-Objektiv weit abgeblendet zu machen. In diesem Fall müsste man, mühsam und zeitraubend, viele Fotos zu einem Panorama zusammenfügen.

„Die“ Normalbrennweite schuldet ihren Namen dem Abbidlungscharakter, der dem des menschlichen Auges recht ähnlich ist. Der Bereich bewegt sich von 40 bis etwas über 50mm, wobei die Brennweite eines durchschnittlichen menschlichen Auges 43mm (KB Äquivalent) beträgt. Davon ausgehend, dass man nicht gegen s.g. „Fußzoom“ hat, eigenen sich zu diesem Bereich gehörigen Festbrennweiten hervorragend als Immerdraufobjektive. Nur mit einem solchen Objektiv an der Kamera kann man viel Spaß haben, ohne sich beim Gedanken zu ertappen das Objektiv wechseln zu wollen. Es muss auch erwähnt werden dass keine zwei Menschen gleich sind. So nehmen manche ihre Umgebung anders bzw. weitwinkliger wahr und bezeichnen 35mm (die gute alte Doku-Brennweite) als Normalbrennweite.

Tele-Objektive kommen immer dann zum Einsatz, wenn man entfernte Motive heranholen möchte. Eine wirkliche Millimeter-Grenze gibt es nicht. Manche recht teuren, großen Objektive gehen in den Tausender-Bereich. Man kann mit solchen Objektiven auch Landschaften Fotografieren, falls man ein Detail hervorheben oder ein Pano stitchen möchte, die typischen Einsatzbereiche sind Portrait- (kürzere Teles, 85-135mm KB), Sport- (bis etwa 400mm KB) und Wildlife-Fotografie (ab 200mm KB wird’s spannend).

Falls es Fragen oder Anmerkungen gibt, bitte nicht zögern, die Comments sind unten. 🙂

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6 Gedanken zu „Grundlagen der Fotografie – Teil 6 – Brennweiten und ihre Eignung

  1. Hallo,die Grafik verstehe ich nur bis 24mm. Warum die Bögen bei 18mm und 10mm trotz des größeren Bildwinkels wieder kleiner werden, verstehe ich nicht.

    LG, Roland

    • Hi Roland,

      meinst du wieso sie so kurz sind? Ich denke damit will man demonstrieren, dass man je weitwinkliger das Objektiv, umso weniger entfernte Motive heranholen kann.

      LG
      Lars

    • 10mm im Vergleich zu 18mm und 24mm nehme ich an? Die Person verantwortlich für die Grafik hat wohl an der Stelle nicht aufgepasst. Die Bögen sind auch nicht wichtig, wichtig ist der Winkel.

  2. Ich weiß, das kommt spät, aber ich habe folgendes Problem/folgende Frage:
    Bisher habe ich immer eine Bridgekamera (Nikon Coolpix L820) gehabt. Nun reichen mir ihre Möglichkeiten nicht mehr aus und ich will mir eine DSLR/DSLM kaufen. Die Coolpix hatte eine Brennweite (Kleinbildäquivalent)) von 22,5-675mm. Ich fotografiere vor allem Landschaften, Insekten und werde auch viele Vögel fotografieren, weshalb ich eigentlich auch so einen Brennweitenbereich brauche (Für denWeitwinkel reichen mir aber auch die 27mm vom Kitobjektiv).
    Können Sie mir einen Tip geben, was für ein Zoomobjektiv ich für meine Zwecke benötige? Gibt es ein entsprechendes, was nicht zu teuer ist und auf die Nikon 3000er/5000er Reihe passt? Oder denken Sie, dass mich auch ein Objektiv mit maximal 450mm glücklich machen kann?
    Vielen Dank für die Antwort!

    • Hallo Eru,
      sehr schön, dass dir fotografieren so viel Spaß macht und du auf eine DSLR umsteigen möchtest! Du wirst sicher viel Freude mit der neuen Kamera haben. Ich muss dir leider sagen, dass eine Brennweitenbereich von 22,5-675mm ein bisschen unrealistisch ist, da solche Objektive meist keine besonders Qualität haben. Ich würde dir ein All-around Objektiv, wie beispielsweise das Sigma 18-300/3,5-6,3 DC Makro OS HSM ans Herz legen. Es ist perfekt für Landschaftsfotografie geeignet, mit der Makrofunktion sind auch Aufnahmen von Insekten möglich und durch den tollen Zoombereich wirst du auch bei der Fotografie von Vögeln Spaß haben! https://fotogenerell.wordpress.com/2016/05/09/objektivtest-18-300mm-f35-63-dc-makro-os-hsm – hier findest du noch meinen Testbericht zu diesem Objektiv. Ich hoffe ich konnte dir helfen.
      Alles Liebe und viel Spaß mit deinem neuen Equipment!

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